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Ylang Ylang, die Blüte, die aussieht, als würde sie durchs Leben tanzen, ist in Europa noch gar nicht allzu lang bekannt. Sie hat sich das parfümistische Herz im Sturm erobert und weiß auch in anderen Herzensangelegenheiten zu inspirieren. Hier folgt eine kleine Geschichte über die Einführung des Blütenduftes nach Europa und wofür Ylang Ylang heute in der Praxis, klassisch und psycho-aromatherapeutisch, gerne eingesetzt wird.

Paris 1878

Die dritte Weltausstellung, Exposition Universelle, ist in vollem Gange und Frankreich präsentiert sich wieder erstarkt nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Die neusten Erfindungen stellen sich einem Wettbewerb, national wie international. Sowohl technische Errungenschaften als auch Kunstwerke stehen im Mittelpunkt. Die Freiheitsstatue ist in allen Teilen, aber verteilt auf viele Orte in Paris, zu bestaunen.

Weltneuheiten, über die man staunt, sind eine Eismaschine, die Eis durch konzentrierte Sonnenwärme erzeugte (!), elektrisches Licht (juchu!) und ein Grand Piano von Steinway.

Und ja, im 19. Jahrhundert ist es noch immer eine große Attraktion einen Menschen-Zoo zu präsentieren, in dem 400 indigene Menschen zur Schau gestellt und in Gefangenschaft gehalten werden (Oh, mon Dieu…).

Das Deutsche Reich war wegen der jüngsten Vergangenheit nicht vertreten, das Ungarisch-Österreichische hingegen schon. Und doch haben in der kleinen Duftgeschichte im Folgenden vor allem Deutsche mitgewirkt.

Jetzt neu: Ylang Ylang – der Duft der Blume der Blumen

Neben allerlei Neuheiten durften in Paris die Parfümeure nicht vergessen werden. Neben Duft- und Räucherschatullen wurden bisher unbekannte Düfte, die man erst kürzlich destillierte und dem Markt zugänglich machen wollte, ausgestellt. 1878 markiert das Jahr, in dem die Europäer von Ylang Ylang erfuhren.

Ihr Duft, dessen Namen in Tagalog (verbreitetste Sprache in den Philippinen) Blume der Blumen bedeutet, betörte und bezauberte. In der Mitte des 19. Jahrhundert soll Albertus Schwenger, der in den Philippinen mit einer mobilen Destille unterwegs war, die Pflanze als erstes destilliert haben. Mit kommerzieller Bestrebung sprang Steck und sein Neffe Paul Sartorius, die eine deutsche Apotheke leiteten, auf die Produktion auf. Das erste und sehr gute Produkt hieß „Ylang Ylang Sartorius“. [Quelle]

Sensible Blüte, sensible Qualitäten

Gegen 1893 war Ylang Ylang schon ein Standard in der französischen Parfümerie. Schon damals wurde qualitativ unterschieden und die hohen Qualitätsgrade „Ylang Ylang“ genannt, die niedrigeren „Cananga“, nach dem botanischen Namen der Pflanze, Cananga odorata. Der Erfolg von Steck resultierte in vielen Nachahmern, die qualitativ nicht Schritt hielten oder sich gar synthetisch versuchten. 1921 übrigens erschien „Chanel #5“ mit Ylang-Ylang, Rose und Jasmin im Duftakkord.

Die Blüte ist sehr sensibel, muss per Hand gepflückt und schnell destilliert werden. Liegen sie zu dicht bei einander, beginnen sie zu fermentieren; werden sie beim Pflücken gedrückt, resultiert dies in Off-Noten. Bei guter Behandlung gibt es jedoch 2,0-2,5% Ausbeute des Öles und da Cananga odorata in den Tropen das ganze Jahr über blüht, ist das Öl gar nicht so teuer, wie man es von einem so feinen Blütenöl vielleicht erwarten würde.

 

1, 2 oder 3? Ylang Ylang und seine Fraktionen

Es gibt von Ylang Ylang wie bei keinem anderen Öl verschiedene Fraktionen im Handel. Das in den ersten 15 Minuten gewonnene ätherische Öl bekommt den Titel „extra superieur“. Die Parfümerie stürzt sich drauf. Bis zu einer Stunde destilliert „extra“, bis zu 6 Stunden „I“ und „II“, 6-12 Stunden ergibt Grad „III“. Neben dem „extra superieur“ dominiert im Ätherisch-Öl-Handel für Aromatherapeuten das „complète“. Hier wurden die Ylang Ylang Blüten über 24 Stunden destilliert, ohne andere Fraktionen vorher entnommen zu haben. Es stellt die Gesamtheit des Duftes dar; nicht nur der Kopfnotenanteil der Blüten, sondern auch noch das „Substantiellere“ dahinter.

Man versuchte in der Vergangenheit, auch weil sich die Inhaltsstoffe dadurch leicht verschieben, zu kategorisieren, für welchen Einsatz der jeweilige Grad besser sei und postulierte eine größere Bedeutung des „extra superieur“ für die Psycho-Aromatherapie. Das gilt als überholt, da gerade in der Psycho-Aromatherapie auch das „Dahinter“ interessant ist und nicht zuletzt auch die individuelle Präferenz und Verfassung entscheidet. Ich habe in meiner Praxis immer beide zur Hand und lasse die Nase der Klient*innen entscheiden, die sie zielsicher für das individuell richtige Öl sprechen lässt.

Von Leid zu Glück – Indikationen von Ylang Ylang

Interessant ist das Öl v.a. bei chronischen Schmerzen (auch Tumorschmerzen), bei Ängsten und Depressionen, die sich v.a. auf das Miteinander, auf Beziehungen, auswirken oder hier begründet sind, und bei Verkrampfungen im kleinen Becken und Blutgefäßen (daher auch die blutdrucksenkende Wirkung). Kein Wunder also, dass es unbedingt auch aphrodisisch wirkt.

Unser Kontaktorgan Haut, das sich in dauernden Bindungskonflikten vielleicht auch symptomatisch zeigt, profitiert von der entzündungshemmenden und Haut regenerierenden Wirkung. Ylang Ylang ist auch leicht antiseptisch, was in Kombination mit der entspannenden Wirkung auch bei Akne hilfreich sein kann.

Schließlich beruhigt uns der Duft nicht nur, er unterstützt uns in der eigenen Wahrnehmung unserer Künste. Wir schätzen unsere eigenen Kreationen und damit uns selbst mehr wert. Das bestärkt – und auch das macht wieder unwiderstehlich. Am Ende betört eben nicht nur die Blüte, sondern wir selbst.

 

Quellen

  • Titelbild: Von Anonym – Taschen Magazine winter 2011-2012, Gemeinfrei (wikimedia commons)
  • Überblick Paris 1978: Von Fougére – histoire-image.org., Gemeinfrei (wikimedia commons)
  • Eingangstor „L’exposition du Paris“: Von Smeeton-Tilly (creator)Scott, M. (creator) – This image is available from the Brown University Library under the digital ID 1254164564884342., Gemeinfrei (wikimedia commons)
  • Ylang Ylang 1: C0-Lizenz, mayapujiati @ pixabay
  • Ylang Ylang 2: C0-Lizenz, keetareel0 @ pixabay

 

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