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Der Dornenstrauch Myrrhe begeistert in der Aromatherapie – und ist ein wichtiges Mittel in der Naturheilkunde. Thematisch leckt Myrrhe unsere Wunden und lehrt uns eine erdverbundene Weisheit. Mit ihr geht es um Wiedergeburt. Ein therapeutisches Element, das starke Symbolkraft besitzt.

Immer wieder hat es mir die Myrrhe, Commiphora myrrha, angetan, das Harz der Alten Göttinnen. Ihr Name entstammt dem Wort murr, das bitter bedeutet und so schmeckt sie auch. Aber noch viel mehr mag sich das Wort auf die Wahrnehmung des Lebens beziehen, wenn zu viel Leid das Leben bitter macht. In meinem Buch habe ich die Myrrhe erstmalig mit ihrer geistigen Wirkung beschrieben. In ihrem Thema kommt das Bild vor, wie in einem Dornenkäfig gefangen zu sein und sich mit diesem Schicksal zu arrangieren. Oberflächlich betrachtet würde man meinen: Hier nimmt jemand Leid auf sich. Aus diesem Grund soll Jesus auch die Myrrhe geschenkt bekommen haben und wird Dornenkranz tragend dargestellt.

Myrrhe: Durch das Leid – zur Wiedergeburt

Fast alle der über 250 Arten der Commiphora-Arten tragen Dornen. Ein weitaus süßlicherer Duft und zäher in der Harzgestalt liefert das etwas weniger bekannte, aber in Räucherkreisen und im Ayurveda beliebte, Guggul, Commiphora molmol, aus dem ebenfalls eine tiefe erdverbundene Weisheit spricht. Noch so ein Harz alter Göttinnen.

Mit Myrrhe erinnern wir uns an diese tiefe Mutterkraft und erleben bestärkt, dass wir leidvolle Gegebenheiten vielleicht doch nicht mehr akzeptieren sollten, sondern sie überwinden und neu aus ihnen hervorgehen können. Sie gibt uns Mut und entzündet nachhaltig die Bereitschaft einen letzten Leidensweg aus einer Situation heraus zu gehen. Dies geschieht, indem wir es wagen, tatsächlich das gesamte Ausmaß des Leids zu erfassen und zu spüren. Vielleicht mit kurzzeitiger Zuspitzung der schmerzvollen Erfahrung wagen wir in einem Befreiungsschlag, durch die Dornen hindurch zu gehenund die Wiedergeburt unseres Lebens zu feiern. Die Göttin als Weise der Geburt, des Todes und der Wiedergeburt, wird hier gebührend zelebriert. Es wundert nicht, dass Myrrhe ein so wichtiges Räuchermittel für weibliche Gottheiten des Alten Ägyptens war und in sämtliche Einbalsamierungs- und rituelle Salböle gehörte.

Dieser mutige Befreiungsakt ist ein Annehmen und Kämpfen für das Leben, eine Zurückeroberung für jene, die gelitten haben. Sie erdet uns und verbindet uns wieder mit ureigenen Energiequellen. Dass sie für so viele Krankheiten heilend wirken soll, ist daher nur verständlich.

So können mit dem Myrrheduft uns in schwierigen Zeiten täglich stärken. Wir können in uns hineinspüren, vor welchen leidvollen Umständen wir die Augen verschließen und sie still ertragen. Wovon können wir uns befreien, damit wir kraftvoller und gesunder werden und mit versöhnt-kriegerischer Natur und Willen unseren Weg neu entdecken?

Weihrauch – das Pendant

Wo Myrrhe zur Erde hin öffnet und uns ganz in unseren Körper holt, öffnet Weihrauch nach oben und verbindet mit hohen Inspirationen. Die zwei werden nicht umsonst gern zusammen genannt. Sie sind ein Power-Couple der Räucherwelt, verbinden das Männliche (Weihrauch) mit dem Weiblichen (Myrrhe). Beide reinigen und lehren uns als weise Meister/innen über unsere Eigenmacht und dass wir unsere äußeren Umstände durch die Haltung in unserem Inneren gestalten.

Übrigens ist deren Kraft auch in der Homöopathie hochgelobt. Hier gibt es einen spannenden Artikel über die zwei mit 4 Fallgeschichten.

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Rätselfrage

Wo wir gerade in der Geschichtenzeit gelandet sind: Die dramatischsten Geschichten entstammen wohl der Griechischen Mythologie. Auch Myrrha kommt darin vor, die sich (wohl durch eine Verzauberung Aphrodites) in ihren eigenen Vater verliebte. Sie soll so erschrocken gewesen sein, dass sie sich ihr Leben nehmen wollte, doch die Liebe siegte und mit einem Trick gelang es ihr, sich zu ihrem Vater zu legen. Als der Schwindel aufflog, war er rasent vor Wut und wollte sie umbringen – von den Göttern wurde sie auf der Flucht in den Myrrhebaum verwandelt und weinte fortan die kostbarsten Harztränen. Eines Tages spaltete sich der Baum und aus ihm entsprang der Sohn der beiden. Wer war es?

Und weil ich schließlich einen starken Blick auf die Psyche in meiner Praxis anbiete, gibt es eine Zusatzfrage: Nach jenem Sohn ist ein psychopathologischer Komplex benannt. Wie ist der eigentliche Fachbegriff dafür (also nicht der populäre Komplexname, sondern der medizinische Fachausdruck)?

Die Antwort:

Adonis soll der Myrrhe entsprungen sein und seine Schönheit wurde in Zeiten des Schönheitswahns in den 90er Jahren Inspiration für die deutschsprachige Namensgebung der Muskeldysmorphie bzw. dem Adonis-Komplex. Es ist eine Störung, die ähnlich der Anorexie zu Wahrnehmungsverzerrungen unseres Außenbildes führt. Hierbei geht um den gesteigerten Fokus, einem muskulären Ideal zu entsprechen.

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